Crew-United-Newsletter

aus dem Crew-United-Newsletter: CORONA Brancheninfos #90, 19.11.2020:

Für Diskussionen sorgt auch der Kultursender Arte. Allerdings anders, als beabsichtigt war. Im Oktober hatte er zum Wettbewerb „Regisseurin gesucht“ aufgerufen, weil „viel zu wenig Dokumentarfilme von Frauen auf Arte gezeigt werden.“ 625 Filmschaffende lasen dem Sender daraufhin die Leviten: Sexistisch und ausbeuterisch sei die Ausschreibung: Arte solle besser seine Sendeplätze angemessen verteilen, statt Nachwuchsfilmer*innen auf eigene Kosten einen 52-Minüter drehen zu lassen, von denen dann nur eine einen Entwicklungsvertrag für den Sendeplatz erhält. Dem ersten Protest hat sich eine weitere Gruppe junger Filmemacher*innen angeschlossen. In einem Video-Brief (hier auch als PDF) fragen sie, wie dieser Wettbewerb das strukturelle Problem lösen soll. Und überhaupt: Wieso suche Arte eigentlich Regisseurinnen? „Sie müssen uns nicht suchen. Wir waren immer da.“ Nur wollen sie nicht „schaulaufen“ und „nicht gegeneinander antreten“, um einen Sendeplatz zu bekommen: „Sie sagen, Sie freuen sich auf ,viele neue Talente’. Würdigen Sie unser Talent mit Sendeplätzen und nicht mit einem 52-Minuten Sendeplatz. Im Jahr 2020 fordern wir außerdem einen konkreten Plan zur Integration von BIPoCs, Transfrauen* und nicht-binären Menschen.“ Die Kritik richtet sich auch gegen das Thema des Wettbewerbs: „Unbeschreiblich weiblich“. Das reimt sich zwar schön, wurde aber von Nina Hagen schon 1978 besungen und schmückte unter anderem auch Kunstausstellungen, Theaterstücke, Kabarett und wissenschaftliche Aufsätze – allesamt schon im vorigen Jahrhundert. Außer Arte ist der Reim zurzeit nur dem deutschen Schlager noch einen Titel wert: „Unbeschreiblich weiblich, umständlich männlich“ sangen Semino Rossi und Rosanna Rocci noch voriges Jahr, und spätestens das sollte den Kultursender nachdenklich stimmen. Den Filmemacher*innen reicht’s auch so: „Wir haben keine Lust, ständig unser Frau-Sein erklären zu müssen.“ Man stelle sich doch mal einen Wettbewerb für Regisseure unter solchem Motto vor. Ihre Kritik meinen sie Filmemacher*innen „durchaus konstruktiv“: „Verstehen sie diesen Brief als Schritt auf sie zu.“ Ihr Rat: „Würdigen Sie unser Talent nicht mir einem 52-minütigen Sendeplatz. Nehmen sie kleinen Umweg über einen Kurzfilmwettbewerb. Gehen sie es direkt an.“ 

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